Eosinophile Enterocolitis
Dauer: 04:11 Min.

Mikroskopische Colitis
Eosinophile Enterocolitis – Fallbeispiel


Autor: Prof. em. Dr. med. S. Liebe, Universität Rostock, Rostock, Deutschland
Aus: Falk Media Service D34, Videofilme aus der Endoskopie-Praxis - Ausgewählte Erkrankungen des Kolons
2. Auflage 2012. © Falk Foundation e.V. Alle Rechte vorbehalten.


Klinik
Der 43-jährige Mann wurde wegen einer chronischen Diarrhö eingewiesen. Die Anamnese reicht mehr als 10 Jahre zurück. In den letzten Wochen verschlimmerte sich das Krankheitsbild. Es kamen Zeichen der Malassimilation hinzu, insbesondere Gewichtsabnahme, Hypokalzämie, Tetanie und ein sekundärer Hyperparathyreoidismus. Auffällig war eine Vermehrung der eosinophilen Granulozyten im Blut auf 14% bei normalen Leukozytenwerten (um 6 Gpt pro Liter). Schon vor 10 Jahren war wegen einer chronischen Diarrhö eine Diagnostik durchgeführt worden. Damals waren Gastroskopie und Koloskopie unauffällig. Die jetzige Gastroskopie ergab eine Duodenitis mit Erosionen. Histologisch zeigte sich das Bild einer eosinophilen Duodenitis. Biopsien aus Antrum und Korpus des Magens waren unauffällig.
Die Koloskopie zeigte Schleimhautveränderungen, die vom terminalen Ileum bis zum Sigma reichten. Die Veränderungen nahmen von proximal nach distal ab. Die Schleimhaut war granuliert und eine Gefäßzeichnung nicht erkennbar. Das makroskopische Bild erinnerte an eine Zottenatrophie bei Sprue. Biopsien aus dem terminalen Ileum und dem gesamten Kolon ergaben eine Infiltration mit eosinophilen Granulozyten, die im terminalen Ileum am stärksten war und vom Caecum nach distal abnahm. Keine Verdickung der Basalmembran.

Video
Das Video beginnt im terminalen Ileum. Es ist eine verdickte Schleimhaut mit granulierter bis polypöser Oberfläche zu erkennen. Ulzerationen oder Blutungen infolge leichter Verletzlichkeit finden sich nicht. Vom Caecum bis zur linken Flexur sieht die Schleimhaut ähnlich aus wie im terminalen Ileum. Eine Gefäßzeichnung ist nicht erkennbar. Etwa ab der linken Flexur nehmen die Veränderungen ab. Im Sigma und Rektum ist wieder eine unauffällige Schleimhaut vorhanden. Auch die Gefäßzeichnung ist wieder erkennbar.    

Kommentar
In der Sonographie des Abdomens war der Dünndarm vermehrt mit Flüssigkeit gefüllt, bei etwas betonter Dünndarmwand, aber unauffälliger Wandstruktur. Ähnliche Veränderungen werden bei Malabsorption gesehen. Mesenterial fanden sich mehrere längsovale Lymphknoten bis 17 mm.
Die eosinophile Gastroenteritis ist eine seltene Erkrankung. Sie wird gelegentlich bei Patienten mit chronischer Diarrhö, aber makroskopisch normaler Mukosa diagnostiziert. Makroskopische Veränderungen in der Koloskopie sind kaum beschrieben. Bei unserem Patienten ist anzunehmen, dass die Erkrankung schon viele Jahre bestand. Makroskopische Befunde sind in der Literatur kaum mitgeteilt. Deshalb muss offen bleiben, ob die makroskopischen Veränderungen dieses Patienten typisch für eine eosinophile Enterokolitis sind.
Unter der Behandlung mit Budenofalk® 9 mg täglich sistierten die Durchfälle schon nach 1 Woche. Nach 4 Wochen wurde die Dosis auf 6 mg täglich reduziert.
Die sorgfältige Erhebung der Anamnese ergab, dass vor 15 Jahren durch eine Hautbiopsie eine kutane Mastozytose diagnostiziert worden war. Die Hautveränderungen waren auch jetzt zu sehen. In allen Biopsien aus dem Gastrointestinaltrakt waren keine Mastozyten nachweisbar. Deshalb lautete die abschließende Diagnose „eosinophile Enterokolitis bei kutaner Mastozytose".

Literatur:
Talley NJ. Eosinophilic gastroenteritis. In: Feldmann M, Friedman LS, Sleisenger MH (Editors). Sleisenger and Fordtran's gastrointestinal and liver disease: Pathophysiology/diagnosis/management. 7th ed., WB Saunders Company 2002

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